JUF 1902
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Uhren, die ich reparierte
Hier eine


Jahresuhrenfabrik (JUF)
Baujahr 1902

Diese Uhr hat ein mechanisches 400-Tage-Werk. Sie ist also eine "Echte" Jahresuhr, der Dom ist Echtglas, die Höhe der Uhr 29 cm vom Scheitel bis zur Sohle und der Durchmesser des Domes 14 cm. Also eine richtige erwachsene Jahresuhr.

Das Gehäuse besteht aus Messing und der Dom (ist bei der Besitzerin geblieben, da er ja für eine Instandsetzung nicht relevant ist) aus Glas. Das Drehpendel, mit dem diese Uhr gekauft wurde, ist nicht das Originale. Das hätte ein sog. Scheibenpendel sein sollen. Aber das vorhandene 4-Kugel-Pendel geht auch, obwohl es von der Firma Kienzle so im Jahr 1908 das erste Mal eingesetzt wurde.

Ich habe der Besitzerin zugesagt, dass ich mich auf die Suche nach einem original Scheibenpendel mache und wenn ich fündig werden sollte, dieses kostenlos anpassen werde. Schaun mer mol!

Jetzt aber zur Uhr. Eine Jahresuhr kann am besten über die hintere Platine identifiziert werden. Es gibt Fachliteratur, die mich dabei unterstützt. Die hintere Platine dieser Uhr weist nur eine Marke auf: Auf der rechten Seite "PATENT ANGEMELDET" und darunter "PATENTS APPLIED". Zusammen mit anderen Charakteristika der Platinen weist das auf die Uhrenmanufaktur "JAHRESUHRENFABRIK" in Triberg / Schwarzwald, hin. Die hintere Platine ist mit Vorsteckstiften mit den Werkspfosten verbunden, die vordere Platine ist geschraubt. Das Ziffernblatt hat einen Durchmesser von 55mm (innen).

Das Ziffernblatt ist ein Emailblatt mit feinen Ziffern in schwarz. Die Zeiger sind aus Stahl gebläut. Das Ganze befindet sich in einer Lünette aus Messing und ist mit der vorderen Platine ebenfalls mit Stiften verbunden.
Alle relevanten Teile der Uhr sind mit der Nummer 37 gekennzeichnet.

 Diese Uhr hat noch keine Stellschrauben zur Justage, auch gibt es noch keine Transportsicherung der Pendelfeder. Die Aufhängung der Pendelfeder ist original und weist diese Uhr ebenfalls als JUF 1902 aus.

Diese Uhr war in einem recht desolaten Zustand, obwohl sie der Besitzerin als "Funktionsfähig" verkauft wurde. Nach einem ersten Telefonat und den ersten Bildern per Mail konnte ich der Besitzerin genaueres über die Uhr sagen. Sie hat sich dann entschieden, die Uhr zu behalten und nicht an den Verkäufer zurück zu geben. M.E. eine richtige Entscheidung, die durch den jetzigen Zustand der Uhr nur unterstütz wird.

Die ersten Arbeiten an der Uhr war das Zerlegen und Reinigen aller Teile erst im Ultraschallbad anschließend mit Polierpaste auf Glanz gebracht, die Gangfeder wurde aus dem Federhaus genommen, ebenfalls gereinigt und gefettet und wieder eingesetzt. Vor dieser Arbeit habe ich immer großen Respekt, denn wenn sich diese Feder selbständig machen sollte, sind Beschädigungen und Verletzungen ganz sicher. Sie hat eine enorme Kraft. Nach der Reinigung der Teile wurden die Lager und Zapfen überprüft und für in Ordnung befunden. Anscheinend war diese Uhr so in den 50iger Jahren einer gründlichen Revision unterzogen worden, denn fast alle Lager waren neu gebuchst. Von daher also keine Probleme. Nach dem Polieren der Platinen wurden die Lager gaaaanz vorsichtig mit der Reibahle gereinigt.

Jetzt gab es bei der Montage und beim Probelauf keine Probleme mehr. Die Einstellung des Ganges bei diesen Uhren ist immer eine langwierige Angelegenheit, da das Werk nach jeder Manipulation an der Pendelfeder oder am Drehpendel mehrer Stunden braucht, bis sie IHREN Takt wieder gefunden hat. Aber Rentner (ich) habe ja Zeit!

Jetzt ist dann also die Zeit gekommen, sie wieder der Besitzerin zu Übergeben. Ich bin mir sicher, Sie wird viel Freude an dieser seltenen und schönen Uhr haben.

 

 

So kam sie zu mir.

Die ungereinigte Bodenplatte

Das Drehpendel aus 1908

Die Marken ""PATENT ANGEMELDET" und "PATENTS APPLIED"

Salatöl, Marke unbekannt, sollte hier helfen?

Abnutzung im laufe der 110 Jahre

Hier die ungereinigten Teile. Oben das Federhaus.

Hier werden die "Zähne geputzt"

Federhaus und Pendel

Bodenplatte vor dem Reinigen und

Nachher

Die vordere Platine mit Wechselrad, Minuten- und Stundenrohr

Neue Vorsteckstiffte waren auch nötig!

Seitenansicht rechts

...und links

Ziffernblatt ist aufgesetzt

Die alte Pendelfeder

Rückseite montiert

Der Testlauf mit der alten Pendelfeder

Werksansichten

Aufhängung und Gabel

Neue Pendelfeder

Detail der Aufhängung und der Gabel

Ein schöner Rücken kann mich auch entzücken

So sieht die Uhr jetzt aus.

 

Nachtrag:

Im Februar 2012 hat die Besitzerin dieser schönen Uhr doch tatsächlich auch noch ein Scheibenpendel gefunden.

Es ist aus der ersten Serie der Jahresuhren von 1881. Es passt aber wohl besser zu dieser Uhr als das vorhandene Kienzle aus 1908.

Aber sehen Sie selbst:

Das Scheibenpendel der ersten Serie 1881

Jahresuhrenfabrik 1881

Poliert mit neuer Pendelfeder

Schoen sieht sie aus.

Und genau ist sie auch. Abweichung zurzeit -1 Minute in 7 Tagen!

So geht sie nun wieder zurück zur Besitzerin.

 

 

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Stand: 08.09.17

(c) Rolf-Dieter Reichert 2010