Weltzeituhr von Kienzle 1955
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Eine große Uhr...

die Weltzeit-Uhr von Kienzle.

 

Bei dieser Uhr fragte der Besitzer, ob ich sie (die Uhr) mir mal ansehen würde und wieder zum Zählen der Zeit bringen könnte. Meine Antwort war (natürlich) JA! Vorgabe war auch eine Aufarbeitung des Gehäuses. 

Es ist schon eine besondere Uhr, diese Weltzeituhr. Der Durchmesser ist 26cm und die Höhe mit Sockel 29 cm. Und sie hat ein gutes Gewicht – 3,3 kg. 

Der erste Augenschein war nicht so gut. Das Gehäuse war im Laufe der Jahrzehnte (fast 60 Jahre) arg angelaufen und da, wo sie ehemals mit Lack überzogen war, sah es schlimm aus. Na ja, sollte zu Schaffen sein, sie wieder zum Glänzen zu bringen. 

Also erst mal alles Demontiert. Das riesige Uhrenglas und der Fuß waren mit Klemmscheiben mit dem Rückteil verbunden und ließen sich recht einfach lösen. Das Ziffernblatt war dann mit 4 Schräubchen auf Pfosten mit der Gehäuse Rückseite verbunden und musste natürlich auch abgenommen werden, denn ich musste mir ja auch das Werk anschauen, da die Uhr hin- und wieder stehen blieb. Hinter dem Ziffernblatt dann das Blatt der Weltzeitzonen, gelagert auf dem Stundenrohr und mit einem großen Zahnrad angetrieben. Auch das kein Problem. Dahinter verbarg sich dann die erste Überraschung: Ein Gesperr für die Gangfeder. Auch gleich sichtbar waren hier schon die Unruhe und der Anker, beides mit Kloben an der Werkplatine befestigt. Das sollte sich noch als sehr hilfreich erweisen, konnte so doch die freiliegende (ohne Federhaus) Gangfeder so besser abgelassen werden. 

Ein erster Blick auf das Werk ließ mich Schaudern: Überall Rost und Schmiere. Wirklich nicht schön und teilweise so aggressiv, dass Bauteile schon angegriffen waren, z.B. die Zugfeder und die Zeigerreibung. Also wie erwartet, eine komplette Revision war angesagt. Alles demontiert! 

Die Herausforderung war die Zugfeder, die nicht in einem Federhaus untergebracht war. Dummer Weise kam man auch nicht an die Sperrfeder und den Sperrhaken heran, um die Feder zu entspannen. Also das Werk blockiert und die Unruhe und den Anker (fein: mit Kloben gelagert!) entfernt und dann vorsichtig das Werk ablaufen lassen, bis das Gesperr diese Angelegenheit beendete. Dann das Gesperr auch ausgebaut und jetzt die Umdrehungen des Federanker gezählt, bis die Feder Entspannt war. Nun mit Kabelbinder die Feder zusammen gebunden und dann den Deckel darüber entfernt und mit etwas Kraft (sie lag an 3 Pfosten an) die gebundene Feder entfernt. 

Die Feder sah schlimm aus und ich hatte schon die Befürchtung, dass sie nicht zu retten war. Überall Rost und Schmier! Um Verletzungen zu vermeiden, dicke Arbeitshandschuhe angezogen und den Kabelbinder aufgeschnitten. 3,8 Meter Federstahl! Mit einem Wolllappen und Waschbenzin die Feder abgerieben und dann begutachtet: Mein Stein, der vom Herzen fiel, war wohl im Keller gelandet: der Rost war nur oberflächlich und hatte (noch) nirgends den Stahl (auch unter der Lupe) angegriffen!

Einen frischen Lappen mit weißer Vaseline und die Feder gründlich eingerieben und an die Wand gehängt. Das Einfädeln würde noch viel Spaß bringen. 

Der Rest sollte eigentlich Routine sein: Werk zerlegen, die Zapfen blieben schon in den Lagern stecken, und ab ins US-Bad. Alles gründlich gereinigt und überprüft. Lager geputzt, Zapfen gereinigt und poliert, alles wieder montiert und dann bei der Unruhe gestutzt: Da stimmt doch was nicht!? Die Spirale war sehr eng und das Ende mit einem sehr kurzen Knick direkt im Spiralklötzchen VERKLEBT!!! Der Rücker war zwar vorhanden, aber ohne Wirkung, da der Schlüssel (Stifte) nicht vorhanden waren. Jetzt war guter Rat teuer. 

Also erstmal die Spirale gerichtet, da sie auch nicht wirklich flach gelaufen ist. Sie eierte so zu sagen wild durch die Gegend. Bei dieser Gelegenheit auch gleich den Endbogen erweitert, da ja der Rückerschlüssel irgendwo eingreifen sollten und nicht von Außen auf die Spirale drücken durften. Nun, für mich als Grobmotoriker war das eine Tagesaufgabe, in der alten Halterung einen neuen Schlüssel unter zu bringen. Zwei Stückchen einer alten Drehpendelfeder konnte ich im der Halterung vernieten. Auch den Zwischenraum, in dem die Spirale läuft, konnte ich (Hoffentlich) richtig einstellen. Jedenfalls lag nur die Innenseite der Spirale am Schlüssel leicht an und der ließ sich, ohne die Spirale zu stauchen, frei bewegen. 

Jetzt kann der spannende Moment, wo die Gangfeder wieder eingezogen wurde. Eigentlich verblüffend einfach: Da wo der Federanker einhakt, etwas Nachgebogen, die Feder eingesetzt und den Deckel drauf. Dann einfach den Schlüssel gedreht bis der Endhaken eingehakt werden konnte und dann noch ein paar Umdrehungen und die Schrauben vom Deckel angezogen. Das Gesperr eingesetzt, fertig. Nach Freigabe des Werkes lief die Unruhe sofort an, aber schon am Klang war zu hören, dass der Abfall nicht stimmte. War ja klar, nach den Manipulationen an der Spirale. 

Jetzt musste ja der Abfall wieder neu eingestellt werden. Das ging nur über die Rolle. Schlitz leicht aufspreizen und Reif verdrehen. Dauerte ca. 4 Stunden (ist ja keine Routine bei mir) bis der Abfall ganz gut stimmte (meinte mein Junior von Greiner) und zum Abschluss dann den Gang noch eingestellt. Phu! Das war eine Arbeit! Na ja, wieder was gelernt, gelle? 

Nachdem das Werk nun zu meiner Zufriedenheit funktionierte, ging es ans Polieren vom Gehäuse. Hier erspare ich dem geneigten Leser besser meine Kraftausdrücke!! Nur soviel: Mellerud Polierpaste, mein Schleif- und Poliermotor und das Renaissance Wax haben es zum Ende doch gerichtet. 

So präsentiert sich nun also eine Weltzeituhr von Kienzle, die wieder die Zeit der Welt genau zählt!

 

So kam sie an

Die Rückseite

Voll Messing

Das Gesperr

Die Ziffernblatt-Seite

Links

Rechts

Die Marke

Rückseite mit Rückerzeiger

Die Weltzeit-Scheibe

Das schöne Ziffernblatt

Das sollte in einer Uhr nicht zu sehen sein....

Die Zeigerreibung

Praktisch unwirksam

Rost auch hier

Hm, da fehlt doch was? Der Rückerschlüssel

Zeigerreibung die Zweite

Da fehlt doch was?

Das Gesperr

Auch hier Rost!

Steinlager

Die Platinen, alles verklebt

...und so sieht sie jetzt aus...

 

 

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Stand: 08.09.17

(c) Rolf-Dieter Reichert 2010